Die Nachbarschaft aufgemischt: unser neuer Probekeller

Weil der Andrang in unserer Percussion-School immer stärker wurde, mussten wir uns einen neuen Probekeller suchen. Jeder kann sich sicherlich vorstellen, dass dies mitten in der Stadt relativ schwer ist. Zum einen sind entsprechend große Kellerräume meist schon anderweitig vergeben oder nicht schalldicht. Letzteres ist allerdings die Grundvoraussetzung, um die Nachbarschaft nicht aufzumischen.

Jeder von uns hat sich also umgesehen und umgehört, Verwandte, Kollegen und ehemalige Schulfreunde gefragt. Und so kamen wir in Kontakt mit Opa Gerd, der schon seit einiger Zeit allein in seinem Häuschen wohnt, bis vor einigen Jahren auch noch Schlagzeug gespielt hat und jetzt aber fast schon taub ist. Er hatte in seinem Keller einen großen und zwei kleinere Proberäume eingerichtet und würde sie uns gerne zur Verfügung stellen.

Also rückten wir an einem schönen Sonntagnachmittag bei Opa Gerd zur Besichtigung an. Dabei wurden wir hinter ihrem Plisee schon ziemlich neugierig von der Nachbarin beäugt.  Den Häusern, Gärten und Autos zufolge schienen in der Gegend nur alte Leutchen zu wohnen, die möglichst ihre Ruhe haben wollten. Das Gespräch mit Opa Gerd verlief recht lustig, da er nur jeden 2. Satz von uns verstand und er auf unsere Frage, ob es eventuell Probleme wegen Lärmbelästigung geben könnte, antwortete: Hier sind alle schwerhörig.

Also wurden wir uns einig. Die Miete für den Probekeller können wir auch abarbeiten, z. B. eine Balkonbespannung am Terrassengeländer befestigen, den Gartenzaun streichen oder ähnliches. Für eine Arbeitsstunde erhalten wir sozusagen eine Probestunde. Opa Gerd war froh, endlich wieder Leben in seiner Hütte zu haben und gleichzeitig Hilfe für die schweren Arbeiten im Haus.

Seine Nachbarn allerdings begannen bald darauf, sich über die Lärmbelästigung zu beschweren. Zwar waren die Räume im Keller ganz gut gedämmt, doch natürlich kann der eine oder andere Beat schon mal nach draußen dringen. Am Anfang bekamen wir das gar nicht mit, weil Opa Gerd die verärgerten Nachbarn gleich an seiner Wohnungstür abfertigte, während wir im Keller kräftig auf die Pauke hauten. Irgendwann riefen die Nachbarn dann die Polizei. Aber da wir nie in den Mittagsstunden oder nach 21 Uhr trommeln und der nach außen dringende Lärm nicht stärker war als der eines Rasenmähers, war die Sachlage schnell geklärt. Wir wurden lediglich gebeten, die Proberäume noch besser zu dämmen und die Nachbarn mussten mit eingezogenen Schwänzen abziehen. Seitdem ist es mit der Ruhe in Opas Nachbarschaft vorbei, aber nicht wegen uns, sondern weil sich jetzt jeder wieder traut, seine Schlager, Volksmusik oder auch Klassische Musik so laut aufzudrehen, wie es ihm gefällt.